Statt in einem Hörsaal sprach der Interimspräsident der Universität Vechta, Thomas Bals, beim diesjährigen traditionellen Montagsempfang der Stadt. Dabei berichtete er zunächst von seinem persönlichen Verhältnis zur Region. Er gestand, dass er Vechta vor seiner Zeit an der Universität kaum kannte. Aus Sicht der Osnabrücker sei Vechta eher eine Art „Enklave“. Die Region gelte als wirtschaftsstark und würde doch von einer überraschend niedrigen Zahlungsmoral zeugen, erzählte Bals.
Diesen Vorurteilen zum Trotz gestand der Interimspräsident kurz darauf: „Ich bin schockverliebt in das Oldenburger Münsterland und die Universität.“ Er sei schon auf der Suche nach einem Resthof, um in der Region heimisch zu werden. Über diesen Sinneswechsel freuten sich die Gäste der voll besetzten Niedersachsenhalle.
Großes Thema des Empfangs war die Zukunft der Universität Vechta. „Wir versuchen in möglichst kurzer Zeit, möglichst weit zu laufen“, sagte Bals. Viele neue Studiengänge stünden in den Startlöchern und die Einschreibezahlen seien im Vergleich zum letzten Jahr höher. Seine klare Botschaft für die Gäste war: „An unserer Uni läuft es wieder.“
Ministerpräsident Olaf Lies setzte nach seiner Festrede im vergangenen Jahr die Tradition seines Vorgängers Stephan Weil fort, beim Montagsempfang auf dem Stoppelmarkt stets ein Grußwort zu halten. Dabei zeigte er sich mit Blick auf seine vorherige Rede sehr selbstironisch: „Ihr werdet Olaf Lies so schnell nichts los.“ Auch wenn das für einige vielleicht eher eine Drohung sei, witzelte Lies. Außerdem könne er es sich bei der Auswahl der Gäste nicht leisten, abwesend zu sein. Der Einladung von Bürgermeister Kristian Kater waren wieder viele Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik, Kirche und Gesellschaft gefolgt.
Bürgermeister Kristian Kater erklärte, warum in diesem Jahr kein Politiker die Festrede beim Montagsempfang hielt: „Wahlkampfreden werden Sie in den nächsten Wochen genug hören.“ Deshalb holte er in diesem Jahr einen Wissenschaftler ans Rednerpult. „Auf den ersten Blick haben der Stoppelmarkt und die Universität wenig miteinander zu tun“, sagte Kater. Doch dieser Eindruck täusche. „Beide prägen die Stadt. Beide bringen Menschen zusammen“, erklärte Kater.
Vor dem Empfang machten Thomas Bals, Bürgermeister Kater und Ministerpräsident Lies einen Rundgang über den Markt. Sie besuchten den Hof Schmedes, das alkoholfreie Zelt, die Tierschau und drehten eine Runde im Fahrgeschäft Musik-Express.
Vor den Zelteingängen erreichte das Stoppelmarkttreiben inzwischen den nächsten Höhepunkt. Zehntausende Menschen feierten noch lange Vechtas fünfte Jahreszeit, die am Dienstag mit dem Feuerwerk endet.